Die Zeit der Maxdorfer Ziegelhütten

Im Frühjahr des Jahres 1819 standen um den Floßbach im Bereich der Ziegelstraße bis zur Fußgönheimer Straße/Bleichstraße einige Häuser. Diese waren, wie damals üblich aus nicht gebrannten Lehmziegeln und deshalb nicht sehr haltbar. Die Lehmsteine haben die Siedler selbst aus dem vor Ort gewonnenen Lehm unter Zufügen von Wasser in Holzformen gepresst und zum Trocknen ausgelegt. Lediglich die Fundamente der Häuser oder kleinere Keller mit Naturboden bestanden aus Sandsteinen.

Zu dieser Zeit hatte der aus Neuleiningen stammende Johannes Groh (1794-1862), von Beruf Ziegler, mit seiner Frau Dorothea geb. Fink, eine Ziegelhütte in der Ziegelstraße. Er setzte ganz auf einen beginnen Bedarf von Ziegeleiwaren zum Hausbau.

Bereits im Jahr 1828 veräußerte er die Ziegelhütte an Peter Josef Geörg (1802-1869), der sie weiterbetrieb und 1830 um eine Samendörre und 1832 um eine Scheune erweiterte.

Die Baumaterialien für neue Häuser wurden ab etwa 1900 aus Feldbrandsteinen her-gestellt. Dies geschah, indem man die aus Lehm gemachten Backsteine zu Würfeln aufstapelte und im dadurch entstandenen Innenraum ein Feuer entzündete, um damit die Steine härter zu machen, sozusagen „zu brennen“. Die nach etwa 3 Wochen „Brennzeit“ so entstandenen Steine waren für die Bauherren wesentlich günstiger als die gebrannten Steine aus der Ziegelhütte. Die für die Dächer benötigten Ziegeln kamen aus der Ziegelhütte. Als die Ziegelhütte an Bedeutung verlor, wurde sie 1837 abgerissen.

Am 20. Mai 1838 ersuchte der Samenhändler Johannes Grübel I. (1806-1893) um Überlassung eines Hausplatzes zur Errichtung eines Hauses und einer Ziegelhütte an der Mannheimer-Dürkheimer Straße, der späteren Hauptstraße von Maxdorf.

Nach den Gemeinderatsbeschlüssen vom 17. April 1939 und 29.Januar 1842 und einem Gutachten des Gemeinderates von Lambsheim mit Datum 12. November 1845 (so lange dauerte es wirklich) erhielt Johannes Grübel die Zustimmung zum Erwerb des Grundstückes. Der Kaufpreis durfte in 3 Raten bezahlt werden.

So entstanden auf dem Gelände zwischen der Hauptstraße 55-57, Bleichstraße 2 und Sohlstraße 2 und 4 im Jahr 1838 ein Wohnhaus mit Gaststätte, 1839 eine Ziegelhütte mit Brennofen und Samendörre sowie 1842 eine Scheune.

Johannes Grübel kaufte 1843 das angrenzende Gelände, Hauptstraße 61-67, westlich hinzu und baut eine große Ziegelhütte mit einem Brennofen.

Sohn Georg Grübel (1841-1914) übernahm 1870 das Unternehmen. Der Betrieb der alten Ziegelhütte wurde um 1912 eingestellt und das Bauwerk wurde dem Zerfall überlassen.

Am 1.Mai 1951 wurde die Ruine der letzten Ziegelhütte in der Hauptstraße in Maxdorf durch ein Großfeuer vollständig zerstört.

Foto von Otto Reis zeigt die Ruine der Ziegelhütte vor dem Großbrand

Die Ziegelhütten brannten Ziegeln und Kalk. Des Weiteren wurden kleinere Mengen Backsteine hergestellt. Zusätzlich wurde in den Samendörren die im Wald gesammelten Kiefernzapfen gedörrt, um Samen zu gewinnen und zu verkaufen. Das Geschäft mit Samen war sehr einträglich.

In der Ziegelei wurden Brennmeister, Ziegler, Kalkbrenner, Stückwerker und Backsteinmacher beschäftigt und boten so vielen Menschen Arbeit, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Arbeit war sehr schwer und mit bis zu 16 Stunden
kein Zuckerschlecken.

Fuhrleute holten die benötigten Materialien wie Erde aus Freinsheim und Kalksteine aus Kallstadt mit zeitweise mit bis zu 20 Fuhrwerken (darunter waren 12 eigene Pferde) ab und brachten sie bei schwierigsten Straßenverhältnissen zu den Ziegeleien.

Die anfänglich gute Entwicklung der Ziegelhütten wurde durch die rasante Entwicklung der umliegenden Städte Ludwigshafen und Mannheim wesentlich mitgeprägt. Durch die große Konkurrenz angrenzender Ziegeleien und dem raschen technologischen Fortschritt verlor die Maxdorfer Ziegelhütte ihre Wirtschaftlichkeit und wurde aufgegeben und geschlossen.

Bericht: Ferdinand Fiedler
Quellen: Die Maxdorfer Ortsgeschichte von Walter Sattel sowie Archivmaterial Verein für Geschichte Maxdorf 2010 e.V.
Bild: Otto Reis im Besitz Verein für Geschichte und Kultur Maxdorf 2010 e.V.