Die Pfalzreise des Reichspräsidenten von Hindenburg

Der 19 Juli 1930, ein Samstag, brachte für uns Pfälzer ein denkwürdiges Erlebnis. Das verehrungswürdige Oberhaupt des Kreises, Reichspräsident Hindenburg (bis September wird er 83 Jahre alt) hat den Pfälzern gelegentlich seiner Reise durch das befreite Gebiet einen Besuch abgestattet.

Die Städte Germersheim, Speyer, Neustadt, Dürkheim und Ludwigshafen und als einzige Gemeinde des Amtsbezirkes Frankenthal, Maxdorf durften ihn begrüßen. In 2 Vorbesprechungen unter Leitung des Herrn Oberamtmanns Born hatte man im Laufe der Woche den Tag gut vorbereitet. Denn es ist klar, dass bei der Durchfahrt der Autokolonne (8 Fahrzeuge) die größte Ordnung herrschen und alles nach amtlichen Vorschriften gehen musste.

Punkt 1 Uhr wurde die Straße  Bad Dürkheim nach Ludwigshafen für den Verkehr gesperrt und es entwickelte sich auf den Nebenstraßen ein riesenhafter Verkehr. Mit Autos, Motorräder, Fahrräder, Pferdefuhrwerke und zu Fuß kamen sie herbei nach Maxdorf aus nah und fern. Alle wollten den Menschen begrüßen, der Deutschlands Geschicke lenkt und leitet, ihn den  Nationalheros, den Vater des Vaterlandes.

Am Kriegerdenkmal in Maxdorf hatte man für Veteranen 1870/71 und die Schwerkriegsbeschädigten ein Podium errichtet, rechts und links davon nahmen die Fahnensektionen der einzelnen Vereine Aufstellung. Die Lambsheimer Vereine waren mit Musik erschienen. Die Schulkinder von Lambsheim und Maxdorf bildeten Spalier, hinter diesen hatten die Vereine Aufstellung genommen.

3 Uhr. Die Aufregung der Menge steigt. 3 Uhr 10. Die Verkehrspolizei kündet die Ankunft. Die Glocken läuten. Dann braust vom Ortseingang her das „Hoch“- und „Hurra“ rufen. Der Reichspräsident kommt! Die Musik spielt das Deutschlandlied. Das „Hoch“ rufen übertönt Musik und Gesang. Vorbei führt-im langsamsten Tempo-der alte Herr, nach beiden Seiten freundlich grüßend. Links von ihm sitzt der bayerische Ministerpräsident Dr. Held. Begeisterung steht auf allen Gesichtern, sie haben ihn gesehen. Mit großem Jubel wird auch ein Wagen voll Schutzpolizei (Schupo) in ihren grünen Uniformen empfangen. Langsam leeren sich die Straßen. Die Kinder erhalten zur Feier des Tages Brezeln, von Freunden der Jugend gestiftet. Und plötzlich setzt ein Regenschauer ein. Vorbei ! Es war ein großes Erlebnis für alle.

So überall, wohin Hindenburg kam. Nur wenige waren es in Stadt und Land, die an der allgemeinen Freude keinen Anteil hatten, ja die hinter den flatternden Fahnen, mit denen  auch sie in diesen Tagen ihre Häuser schmückten, die knieschlotternde Angst verbargen – die Separatisten und die mehr oder weniger offenen und versteckten Freunde  der „Freien Pfalz“. Am besten haben diejenigen getan, die als sie noch unter dem Schutz französischer Bajonette standen, das Land verlassen und ihren französischen Freunden sich zuwandten. Hier gab es, Gott sei Dank, keine solchen Vaterlandsverräter. Nur ein Lambsheimer, der allerdings schon lange in Bad Dürkheim wohnte, Franz Vogt, gehörte zu diesem Gesindel. Er hat es bis zum Oberleutnant gebracht, was allerdings nicht schwer war. Er war schon in der Schule ein zweifelhafter Bursche, zu allen Rohheiten bereit. Er wird seinen Lohn schon ernten.

Schick

Wir danken Hr. Hornberger vom Archiv in Lambsheim für den Bericht von Oberlehrer Schick aus Lambsheim

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