{"id":757,"date":"2018-01-06T07:38:09","date_gmt":"2018-01-06T05:38:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=757"},"modified":"2024-04-24T07:10:57","modified_gmt":"2024-04-24T05:10:57","slug":"tag-des-gedenkens-an-die-opfer-des-nationalsozialismus-am-gymnasium-in-maxdorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=757","title":{"rendered":"Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am Gymnasium in Maxdorf am 27. Januar 2015"},"content":{"rendered":"\n<p>Beitrag von Ferdinand Fiedler<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Sch\u00fcler, liebe Lehrkr\u00e4fte, liebe Elternvertreter, wir gedenken heute am 27.Januar 2015, 70 Jahre nach der Befreiung der Menschen im Vernichtungslager von Auschwitz, durch Soldaten der Roten Armee, den Opfern des Nationalsozialismus.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Lager Auschwitz liegt nahe der Stadt Oswiec im Landkreis Bielitz, dem damals annektierten Teil Polens.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war eines der Lager, in welchem die Nationalsozialisten Juden und politische Gegner einsperrten und letztendlich in Gaskammern vernichteten. Ihre Zahl liegt bei mehreren Hunderttausend, man spricht von bis zu 1,5 Millionen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1996 wurde dieser Tag zum Gedenken an die Opfer eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten von uns haben diese Zeit zum Gl\u00fcck nicht erleben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns mit der Geschichte von Maxdorf besch\u00e4ftigen, stellen wir fest, dass auch in unserem unmittelbaren Umfeld diese Zeit ihre Spuren hinterlassen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei uns gab es kein Lager und der \u00fcberwiegende Teil der Bev\u00f6lkerung war auch nicht radikalisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In Maxdorf lie\u00dfen sich, im Gegensatz zu Lambsheim oder Fu\u00dfg\u00f6nheim, auch nur vereinzelt Juden nieder. So gab es auch keine Synagoge wie in den Nachbargemeinden Lambsheim und Fu\u00dfg\u00f6nheim. Die Synagoge in Lambsheim wurde Ende 1940 abgerissen. An ihrer Stelle wurde ein Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus errichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Lediglich in Fu\u00dfg\u00f6nheim blieb das Geb\u00e4ude erhalten, 1996\/97 aufwendig restauriert und ist heute Teil des Kartoffelmuseums. Die j\u00fcdischen Friedh\u00f6fe wurden gesch\u00e4ndet und teilweise zerst\u00f6rt. An die j\u00fcdischen Bewohner erinnern heute nur noch Grabsteine oder Standesamtsregister und Unterlagen in den Archiven.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1931 wurde in Lambsheim eine Ortsgruppe der NSDAP und 1931\/32 auch in Maxdorf eine eigenst\u00e4ndige Ortsgruppe gegr\u00fcndet. Durch Mund zu Mund Propaganda, Alltagsgespr\u00e4che auf der Stra\u00dfe, an Stammtischen, Rufmordkampagnen, Diffamierungen usw. wurde Stimmung gegen Juden, Politiker und Gewerkschaften gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Waren es am Anfang noch verbale Angriffe, so wurden mit der Zeit handfeste Ausschreitungen und \u00dcbergriffe daraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein J\u00fcdisches Ehepaar, Ludwig und Julie Freiberg, hatte in Lambsheim ein Textil-Gemischtwaregesch\u00e4ft mit einer Filiale in Maxdorf in der Hauptstra\u00dfe 38.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist dort das Bekleidungshaus Koob.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor 1933 war die Familie von den B\u00fcrgern in Maxdorf geachtet und im Ort integriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies \u00e4nderte sich nach der Machtergreifung durch die Nazionalsozialisten und dem folgenden Antisemitismus in der Pfalz.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Ortschroniken von Walter Sattel aus Maxdorf und Kurt Kinkel aus Lambsheim kann man zum Thema Juden folgendes Lesen:<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde offen und versteckt zum Boykott der j\u00fcdischen Gesch\u00e4fte aufgerufen. So wurden in manchen Gesch\u00e4ften Schilder mit dem Text \u201eDeutsche kaufen nur bei Deutschen\u201c ausgeh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab verschiedenste Erlasse und Ma\u00dfnahmen. Ja es gab sogar eine eigens eingef\u00fchrte Arier-Gesetzgebung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer in den Staatsdienst wollte, musste den Nachweis der arischen Abstammung vorlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch diese und weitere Einschr\u00e4nkungen und Behinderungen entzog man den Juden jegliche M\u00f6glichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Man machte mit der Feststellung, dass Juden \u201enicht arisch\u201c waren, die Lage f\u00fcr sie immer unertr\u00e4glicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die immer bedrohlicher werdenden Ereignisse sah sich die Familie Freiberg nicht mehr in der Lage ihr Gesch\u00e4ft in Maxdorf fortzuf\u00fchren. 1937 gaben sie ihr Textilgesch\u00e4ft auf und zogen nach Mannheim.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Sohn Karl war bereits 1935 in die USA ausgewandert und dort Jurist geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tochter Erika Freiberg ging 1938 von Mannheim in die USA, wo sie im Jahre 1989 auch verstarb.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ehepaar emigrierte 1940 nach Brooklin. Ludwig Freiberg musste dort als Fahrstuhlf\u00fchrer seinen Unterhalt verdienen und war auch auf Unterst\u00fctzung durch Bekannte angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er starb 1976 in Brooklin. Seine Frau verlor er bereits 1956.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere J\u00fcdin, Frau Barbara Streitel und ihr Neffe, Richard Rothschild blieben von einer im Jahre 1940 durchgef\u00fchrten Deportation verschont.<\/p>\n\n\n\n<p>Barbara war die Tochter des H\u00e4ndlers Simon Rothschild und dessen Frau Fredericke. Sie wohnten ebenfalls in der Hauptstra\u00dfe in Maxdorf. Auch ihr Haus wurde durch aufgestachelte Parteigenossen verschmutzt und besch\u00e4digt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rothschilds sahen nur in der Flucht aus Deutschland die Chance zu \u00fcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sohn, Werner Streitel, wanderte nach 1939 nach Gro\u00dfbritannien aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Barbara Streitel wurde nach ihrem Tod 1957 auf dem Judenfriehof in Fu\u00dfg\u00f6nheim beigesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Richard Rothschild, der Sohn der in Ludwigshafen lebenden Eheleute Sally Rothschild und seiner Ehefrau Karharina, kam nach der Deportation von Sally Rothschild zu seiner Tante Barbara Streitel nach Maxdorf. Diese lie\u00df Richard christlich taufen um ihren Neffen vor Anfeindungen und weiteren Diskriminierungen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation der Juden \u00e4nderte sich erst nach dem Ende des Krieges.<\/p>\n\n\n\n<p>Richard Rothschild blieb in Maxdorf, heiratete dort und wurde 1998 auf dem Friedhof in Maxdorf nach j\u00fcdischem Brauch beigesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 23.04.2024 wurde am urspr\u00fcnglichen Wohnort  in der Heinigstrasse 39 in Ludwigshafen ein Stolperstein f\u00fcr Richard Rothschild und seinen Vater Sally Rothschild verlegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Juden unserer Nachbargemeinden Fu\u00dfg\u00f6nheim und Lambsheim sind in dieser Zeit ebenfalls ausgewandert oder wurden deportiert. Viele von ihnen gelten seither als vermisst, oder wurden get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n<p>All diese Ereignisse sind jetzt 70 Jahre her und die Meisten von uns kennen sie nur aus den Geschichtsb\u00fcchern. F\u00fcr uns bleiben dies Geschehnisse, welche lange vorbei sind und doch machen sie, vorausgesetzt man setzt sich mit ihnen auseinander, betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ist die Situation heute, im Jahre 2015?<\/p>\n\n\n\n<p>Sind wir heute in unserem Denken und Verhalten aufgeschossener und toleranter gegen\u00fcber andersdenkender Menschen oder Religionen?<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnen wir ausschlie\u00dfen, dass sich solche Ereignisse, mit dem Wissen von heute, nicht wiederholen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns die Geschehnisse um uns herum ansehen bleiben Zweifel.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass jeder von uns die F\u00e4higkeit besitzt, diese Dinge zu erkennen und den unbedingten Willen einen Wiederholung solcher unmenschlichen Verh\u00e4ltnisse nicht mehr zuzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es liegt an jedem Einzelnen sich einzubringen und aktiv daran mitzuwirken, dass Ereignisse wie damals sich nie mehr wiederholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst wenn dies geschieht und wir uns entsprechend verhalten, ist es nicht nur eine Geschichte, nein, erst dann wird die Erinnerung an diese Zeit wirklich Geschichte sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beitrag von Ferdinand Fiedler Liebe Sch\u00fcler, liebe Lehrkr\u00e4fte, liebe Elternvertreter, wir gedenken heute am 27.Januar 2015, 70 Jahre nach der Befreiung der Menschen im Vernichtungslager von Auschwitz, durch Soldaten der Roten Armee, den Opfern des Nationalsozialismus.<\/p><p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=757\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[63,62],"class_list":["post-757","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-antisemitismus","tag-nationalsozialismus","item-wrap"],"author_meta":{"display_name":"Bernd Lupberger","author_link":"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?author=3"},"featured_img":null,"coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?cat=1\" class=\"advgb-post-tax-term\">Allgemein<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Allgemein<\/span>"]},"tags":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?cat=1\" class=\"advgb-post-tax-term\">Antisemitismus<\/a>","<a href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?cat=1\" class=\"advgb-post-tax-term\">Nationalsozialismus<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Antisemitismus<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Nationalsozialismus<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 8\u00a0Jahren ago","modified":"Updated 2\u00a0Jahren ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on 6. 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