{"id":630,"date":"2017-01-14T14:30:48","date_gmt":"2017-01-14T12:30:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=630"},"modified":"2019-12-22T17:00:06","modified_gmt":"2019-12-22T15:00:06","slug":"630","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=630","title":{"rendered":"Vom G\u00e4nsestopfen in Maxdorf"},"content":{"rendered":"<p>von Ferdinand Fiedler<\/p>\n<p>Vor gut 100 Jahren war der Gem\u00fcseanbau in Maxdorf erst in den Anf\u00e4ngen und hatte noch keine wirtschaftliche Bedeutung. Zumindest brachte er noch nicht so viel ein, dass man das ganze Jahr davon leben konnte. Also musste man sehen, wie sich auch f\u00fcr die Wintermonate eine Einnahmequelle schaffen lies.<\/p>\n<p><!--more-->Daher verlegte man sich in Maxdorf auf das M\u00e4sten von G\u00e4nsen, auch \u201cG\u00e4ns stobbe\u201d genannt. In fast allen Familien wurde dies von Mitte September bis M\u00e4rz gewerbsm\u00e4\u00dfig betrieben. Hierbei mussten auch die Kinder ab dem 10. Lebensjahr mithelfen. Das bedeutete morgens fr\u00fch aufstehen und f\u00fcttern, danach oft sehr m\u00fcde in die Schule kommen und am Abend erneut bei der Mast helfen.<\/p>\n<p>Die hierf\u00fcr ben\u00f6tigten G\u00e4nse, ca. 50.000 Tiere pro Jahr, kamen aus Westpreu\u00dfen, Polen, \u00d6sterreich und Rum\u00e4nien. Das ben\u00f6tigte Futter, immerhin 10.000 Zentner Mais, kam aus Amerika.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Verdienste hatte der Oberlehrer Johannes Zipelius, war er es doch, der die Abschl\u00fcsse f\u00fcr die Importgesch\u00e4fte mit G\u00e4nsen und Mais \u00fcber gro\u00dfe Handelsfirmen im In- und Ausland vorbereitete und auch abschloss.<\/p>\n<p>Die jungen G\u00e4nse wurden mit den Bahn nach Lambsheim transportiert. Die Empf\u00e4nger der Tiere holten sie dort ab und zu Fu\u00df ging es nach Maxdorf. Schwache Tiere mussten manchmal auch getragen werden, was sehr m\u00fchsam und beschwerlich gewesen sein durfte. Bei den Besitzern in Maxdorf angekommen, wurden sie mit Gelbr\u00fcben und Hafer angef\u00fcttert und danach mehrere Wochen mit Mais \u201cgestopft\u201d (gem\u00e4stet). Durch das M\u00e4sten und Einsperren, damit sie sich ja nicht zu viel bewegen konnten, nahmen die Tiere rasch an Gewicht zu.<\/p>\n<p>Das \u201cStopfen\u201d der G\u00e4nse wurde auf dem Boden sitzend ausge\u00fcbt. Die G\u00e4nse wurden unter die Beine geklemmt, mit beiden H\u00e4nden der Schnabel ge\u00f6ffnet und dann eine handvoll \u201cWelschkorn\u201c (Mais) mit einem Finger schnell bis hinter die Luftr\u00f6hre gestopft. So musste die Gans wohl oder \u00fcbel schlucken. Das Futter kam so in den Kropf, bis dieser prall gef\u00fcllt war. Zum Schluss wurde der Hals mit einem Bindfaden abgebunden, damit die Gans das eingestopfte Futter nicht wieder herausschleudern konnte. Mit 12 &#8211; 14 Pfund war ein Tier dann schlachtreif.<\/p>\n<div id=\"attachment_631\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Gaensestopfer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-631\" class=\"size-full wp-image-631\" src=\"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Gaensestopfer.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"447\" srcset=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Gaensestopfer.jpg 640w, https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Gaensestopfer-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-631\" class=\"wp-caption-text\">Das Bild von Otto Reis zeigt eine Familie beim \u201cG\u00e4ns stobbe\u201d<\/p><\/div>\n<p>Zum Schlachten kam dann der \u201cSch\u00e4chter\u201d. Da fast alle Tiere von Juden gekauft wurden, mussten sie \u201cgesch\u00e4chtet\u201d (geschlachtet) werden, damit sie \u201ckoscher\u201d (rein) waren. Nur wenn sie auf diese Art geschlachtet worden waren, duften sie von den Juden auch gegessen werden. Nach dem Schlachten wurden die G\u00e4nse dann \u201cgerupft\u201d, (alle Federn wurden entfernt), mit Spiritus gesengt, in Sodabr\u00fche gewaschen und zum Trocknen und Ausk\u00fchlen aufgeh\u00e4ngt. Der Sch\u00e4chter hatte Zettel, Stempel und Siegellack dabei. Mittels Wollfaden, welcher durch die Kopfhaut der toten Tiere gezogen wurde, befestigte er einen Zettel auf welchem in hebr\u00e4ischer Schrift Tag und Stunde des Todes stand. Erst jetzt galten die geschlachteten G\u00e4nse als \u201ckoscher\u201d.<\/p>\n<p>Zum Verkauf kamen die G\u00e4nse dann fast ausnahmslos zu Gefl\u00fcgelh\u00e4ndlern und auf den Wochenmarkt nach Mannheim. Da es damals noch keine direkte Bahnverbindung ab Maxdorf gab, musste so mancher Verk\u00e4ufer mit den geschlachteten G\u00e4nsen im Gep\u00e4ck zu Fu\u00df nach Oggersheim zum Bahnhof laufen. Von dort ging es mit dem Zug nach Ludwigshafen und mit der Pferde-Tram nach Mannheim auf den Wochenmarkt.<\/p>\n<p>Als besondere Delikatesse und deshalb auch teuer galt die G\u00e4nseleber.<\/p>\n<p>Ein j\u00e4hes Ende fand die G\u00e4nsemast, als diese, auf Betreiben der Tierschutzbewegungen wegen Tierqu\u00e4lerei, im Jahre1936 durch die Reichsregierung eingestellt werden musste.<\/p>\n<p>Johannes Hahn beschrieb die G\u00e4nsemast in seiner \u201cOrtsgeschichte von Maxdorf\u201d aus dem Jahre 1960<br \/>\nnoch detaillierter<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ferdinand Fiedler Vor gut 100 Jahren war der Gem\u00fcseanbau in Maxdorf erst in den Anf\u00e4ngen und hatte noch keine wirtschaftliche Bedeutung. Zumindest brachte er noch nicht so viel ein, dass man das ganze Jahr davon leben konnte. Also musste man sehen, wie sich auch f\u00fcr die Wintermonate eine Einnahmequelle schaffen lies.<\/p><p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=630\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[41],"class_list":["post-630","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-gaensestopfen","item-wrap"],"author_meta":{"display_name":"Bernd Lupberger","author_link":"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?author=3"},"featured_img":null,"coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?cat=1\" class=\"advgb-post-tax-term\">Allgemein<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Allgemein<\/span>"]},"tags":{"linked":["<a href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?cat=1\" class=\"advgb-post-tax-term\">G\u00e4nsestopfen<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">G\u00e4nsestopfen<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 9\u00a0Jahren ago","modified":"Updated 6\u00a0Jahren ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on 14. 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