{"id":620,"date":"2017-01-14T10:52:43","date_gmt":"2017-01-14T08:52:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=620"},"modified":"2019-12-22T16:59:30","modified_gmt":"2019-12-22T14:59:30","slug":"so-henn-mer-maxdorfer-immer-geld-ghadd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=620","title":{"rendered":"\u201cSo henn mer Maxdorfer immer Geld g\u2019hadd\u201d"},"content":{"rendered":"<p>von Ferdinand Fiedler<\/p>\n<p>Sie waren in den 20er\/30er Jahren des 20. Jahrhunderts Ackerer, Fuhrleute, Gro\u00df- und Kleinh\u00e4ndler, alles in einer Person, die Gem\u00fcsebauern von Maxdorf und Fu\u00dfg\u00f6nheim. Der Absatzort f\u00fcr ihre Gem\u00fcseerzeugnisse war der Markt in Kaiserslautern. Einige Fu\u00dfg\u00f6nheimer zog es auch nach Neustadt an der Weinstra\u00dfe.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nBegonnen mit den Fahrten zu den M\u00e4rkten haben um das Jahr 1914 Johannes Gre\u00df und Josef Scherdel aus Maxdorf und Jakob Peil und Lorenz Pister aus Fu\u00dfg\u00f6nheim. Weitere Marktfahrer waren Martin, Jakob und Peter Reis, Peter und Heinrich Burre, Peter und Heinrich Guhmann, Johannes, Albert, Georg und Theo Sattel, Georg und Johannes Mackle, Gebr\u00fcder Steil und die Gebr\u00fcder Heilmann, Paul und Oskar L\u00f6cher, Johannes und Julius Leva, Johannes Steil, Philipp Hahn, Heinrich und Jakob Kreutz, Georg Pfarr, Johannes J\u00f6hl, Albert Drumm, Georg Kiefer und Math\u00e4us Dietrich aus Maxdorf. Die \u201cLautre-Fahrer\u201d aus Fu\u00dfg\u00f6nheim hie\u00dfen Valentin und Heinrich Beckmann, Wilhelm Brecht, Heinrich Koob, Jakob Bechtloff und Johannes Geiger.<\/p>\n<p>Die Fahrt von Maxdorf nach Kaiserslautern mit Pferdeplanwagen dauerte zw\u00f6lf Stunden und war 42 km lang. In Spitzenzeiten machten sich immerhin bis zu 35 Wagen auf den abenteuerlichen Weg. Die beiden Bauern und Fuhrleute, der Maxdorfer Valentin Reis und Karl Goger aus Fu\u00dfg\u00f6nheim, berichten aus dieser Zeit, als w\u00e4re die Arbeit gerade erst beendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p><div id=\"attachment_619\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Valentin-Reis.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-619\" class=\" wp-image-619\" src=\"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Valentin-Reis.jpg\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Valentin-Reis.jpg 427w, https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Valentin-Reis-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-619\" class=\"wp-caption-text\">Valentin Reis<\/p><\/div><\/td>\n<td>\n<p><div id=\"attachment_617\" style=\"width: 194px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Karl-Goger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-617\" class=\" wp-image-617\" src=\"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Karl-Goger.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Karl-Goger.jpg 427w, https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Karl-Goger-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-617\" class=\"wp-caption-text\">Karl Goger<\/p><\/div><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Diese Arbeit mit bestens gepflegten Fuhrwerken, denn nur so war eine solche Fahrt zu schaffen, war die Grundlage f\u00fcr einen gewissen wirtschaftlichen Wohlstand, trotz der Inflationszeit nach dem ersten Weltkrieg. Von diesen Fahrten blieben die Frauen nicht verschont. Sie waren bei allen Arbeitsg\u00e4ngen, trotz Haushalt und Kindererziehung, von der Pflanzung bis zur Ernte mit dabei.<br \/>\nAn die Markttage, Dienstag und Samstag, haben die Bauern auch gute Erinnerungen, besonders wenn es \u201cen gude Markt\u201c war. Dann wurde auf dem Heimweg nicht an Essen und Trinken gespart. Dies war auch eine gro\u00dfe<br \/>\nFreude f\u00fcr die Kinder, die an schulfreien Tagen mitfahren durften.<br \/>\nLos ging es immer Montags und Freitags zwischen 17 und 18 Uhr. Sah man in Bad D\u00fcrkheim einen Schornsteinfeger, so rief man \u201cGligg hemmer\u201c. Sah man jedoch eine Krankenschwester, so galt dies als Pech. Die erste Pause nach vier Stunden Fahrt wurde hinter Hardenburg am Gasthaus \u201cAlte Schmelz\u201c eingelegt. Dort wurde der Hafersack mit einer doppelten Portion Futter umgebunden, damit sich die Tiere noch Kraft zuf\u00fchren konnten, war man doch auf das Wohlergehen der Zugpferde angewiesen. Nach einer Stunde Ruhepause kam das h\u00e4rteste Wegst\u00fcck, der Anstieg auf die \u201cFrankensteiner Steige\u201c.<br \/>\nWar der erste Wagen auf dem \u201cStich\u201c, wurden die Pferde ausgespannt und Hangabw\u00e4rts zur\u00fcck \u201czum Br\u00fcnnel\u201c zum Vorspannen an andere Wagen gebracht, w\u00e4hrend die Frauen die Ladung vor Langfingern der armen<br \/>\nWaldarbeiter und Dieben bewachten. Besonders schwer beladene Wagen mussten mit dampfenden R\u00f6ssern, meist schwere Belgier oder Oldenburger, viersp\u00e4nnig wieder hoch auf die Steige gefahren werden. Zu dieser Zeit waren die Stra\u00dfen, au\u00dfer einem kleinen St\u00fcck bei der Steige, noch nicht befestigt.<br \/>\nZwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens war man in Frankenstein. Nach einer weiteren Pause kam die letzte Etappe von drei Stunden Fahrt bis zum Marktplatz in Kaiserslautern. Den ersten \u201cSchoppen\u201c gab es im Morgengrauen auf dem Kartoffelmarkt. Die Gasth\u00e4user \u201cKaiser\u201c, \u201cAllensbacher\u201c und \u201cGlass\u201c boten&nbsp; Unterstellm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Pferde.<br \/>\nJetzt ging es an den Verkauf des Gem\u00fcses. Zuerst wurden die Kleinh\u00e4ndler bedient, welche die Erzeugnisse ins Umland von Kaiserslautern brachten. Danach wurde \u201cMarkt gemacht\u201d und alles unter Marktschirmen Pfundweise<br \/>\nden Marktbesuchern angeboten. Der erfolgreichste Verk\u00e4ufer beim Auswiegen war Johannes Gre\u00df. Zum Essen kam man erst bei Marktende. Zwischendurch gab es h\u00f6chstens hei\u00dfe Frikadellen.<br \/>\nGewaschen hat man sich, nach getaner Arbeit, im Holzzuber des Gasthaushofes. Nach einer \u201cHausmannskost\u201d ging\u2019s dann gegen zw\u00f6lf Uhr auf die Heimreise, aber nicht ohne Mitbringsel f\u00fcr die Familie zu Hause. Hei\u00df<br \/>\nbegehrt waren die \u201cGaulsw\u00fcrste\u201d.<br \/>\nDen Heimweg fanden die Pferde, hatte man Kaiserslautern erst hinter sich, fast alleine. So wurde manches Nickerchen hinter dem Kutschbock auf einer Matratze gehalten. Das mit dem Nickerchen wird sehr variantereich<br \/>\ngeschildert. Doch wehe, wenn ein \u201cSchossegard\u201d (Stra\u00dfenw\u00e4rter mit Ordnungsfunktion) einen dabei erwischte.<br \/>\n\u201cOft sinn mer in de Schmelz noch e bissel hogge gebliwwe\u201d, so die beiden Fuhrleute, \u201cdann wurde es oft ein 30 Stunden Tag\u201c.<br \/>\nAuch ist das Eine oder Andere unter einer Plane passiert, was f\u00fcr neue Maxdorfer oder Fu\u00dfg\u00f6nheimer Erdenb\u00fcrger gesorgt hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_618\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Valentin-Reis-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-618\" class=\"wp-image-618 size-full\" src=\"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Valentin-Reis-2.jpg\" width=\"640\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Valentin-Reis-2.jpg 640w, https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Valentin-Reis-2-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-618\" class=\"wp-caption-text\">Valentin Reis mit Ehefrau Magdalena und Tochter Hannelore auf dem R\u00fcckweg vom Kaiserslauterer Markt (1928)<\/p><\/div>\n<p>Unf\u00e4lle hielten sich eigentlich in Grenzen. Einmal jedoch verletzte sich ein Zugpferd so schwer, dass es von seinem Fuhrmann Karl Burgey, mit dessen Taschenmesser an Ort und Stelle geschlachtet werden musste.<br \/>\nAm l\u00e4ngsten, bis um 1930, als dann verst\u00e4rkt die ersten Holzvergaser-Lastwagen aufkamen, fuhr zweisp\u00e4nnig der Maxdorfer Georg Heilmann.<br \/>\nSie alle scheuten nicht die harte Arbeit und die gef\u00e4hrliche Fahrt in die Absatzgebiete f\u00fcr ihr produziertes Gem\u00fcse.<br \/>\nStolz konnten sie dann sagen. \u201cSo henn mer Maxdorfer immer Geld g\u2019hadd\u201d.<br \/>\nBericht entstand nach einem Zeitungsartikel von Karl Freidel, in der Rheinpfalz, vom 27.April 1982.<br \/>\nBebildert durch den Verein<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ferdinand Fiedler Sie waren in den 20er\/30er Jahren des 20. Jahrhunderts Ackerer, Fuhrleute, Gro\u00df- und Kleinh\u00e4ndler, alles in einer Person, die Gem\u00fcsebauern von Maxdorf und Fu\u00dfg\u00f6nheim. 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