{"id":475,"date":"2014-12-28T17:13:14","date_gmt":"2014-12-28T15:13:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=475"},"modified":"2026-02-09T10:43:18","modified_gmt":"2026-02-09T08:43:18","slug":"gedenkstein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=475","title":{"rendered":"Gedenkstein"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/p00463.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-large wp-image-485\" src=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/p00463-1024x710.jpg\" alt=\"p00463\" width=\"411\" height=\"298\" \/><\/a> Am 18. Dezember 2014 j\u00e4hrte sich zum 25. Mal der Zusammensto\u00df zweier US-Kampfflugzeuge vom Typ F-16 \u00fcber der Pfalz. Gro\u00dfe und kleine Tr\u00fcmmerteile st\u00fcrzten\u00a0 damals aus gro\u00dfer H\u00f6he auf Maxdorf, doch im Ort kam wie durch ein Wunder niemand zu k\u00f6rperlichem Schaden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aus Anlass dieses Jahrestages war Rod Kallman, der \u00fcberlebende der damaligen beiden Piloten aus den USA angereist. Ferdinand Fiedler vom Verein f\u00fcr Geschichte Maxdorf hatte in den Wochen davor recht genau den Ort eingegrenzt, an dem Rod damals mit seinem Fallschirm gelandet war. An einer Stelle zwischen M\u00f6rsch und dem Silbersee konnte diese Stelle gemeinsam exakt ermittelt werden. Dort entstand das Foto oben. Es zeigt Rod Kallman (mit Kamera) und daneben Martin Aguera, der schon im Sommer 2014 den Kontakt zwischen Rod und dem Maxdorfer Verein f\u00fcr Geschichte hergestellt hatte.<\/p>\n<p align=\"justify\">Am Nachmittag wurde in einer feierlichen Zeremonie\u00a0 ein Gedenkstein gleich neben dem Denkmal von 1992 enth\u00fcllt. Neben Verbandsb\u00fcrgermeister a. D. Eckard Leyser und Ortsb\u00fcrgermeister Werner Baumann sprach auch Rod Kallman zu den ca. 80 G\u00e4sten. Nachfolgend der Wortlaut der Rede Rod Kallmans (\u00fcbersetzt von Martin Aguera):<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/p00462.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-large wp-image-479\" src=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/p00462-678x1024.jpg\" alt=\"p00462\" width=\"296\" height=\"442\" \/><\/a>Vielen herzlichen Dank, Herr B\u00fcrgermeister Baumann!<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich bin Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, dass ich heute an dieser besonderen Gedenkfeier teilnehmen darf. Ich bedauere, dass ich meine kurze Ansprache nicht auf Deutsch halten kann. Doch leider sind schon \u00fcber 20 Jahre vergangen, als ich in Deutschland gelebt habe.<\/p>\n<p>Mein Damen und Herren,<\/p>\n<p align=\"justify\">ich war hocherstaunt, als ich erst im letzten Jahr von der Existenz Ihres Mahnmals in Maxdorf erfahren habe! Mein Freund Martin Ag\u00fcera hatte mich darauf aufmerksam gemacht. Und dabei steht das Mahnmal bereits seit gut 20 Jahren an dieser Stelle. Diesen Sommer habe ich dann Maxdorf das erste Mal besuchen k\u00f6nnen und dabei Herrn B\u00fcrgermeister Baumann, Herrn Hans-Josef Wolf und Herrn Ferdinand Fiedler kennenlernen d\u00fcrfen. Um ehrlich zu sein: Ich wusste nicht, was mich erwarten w\u00fcrde, hier in Maxdorf, nachdem damals gro\u00dfe Teile meines Flugzeugs auf Ihren Ort herabgest\u00fcrzt waren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Fest steht: Meinen Besuch bei Ihnen behalte ich in sehr guter Erinnerung. Herr Baumann, Herr Wolf und Herr Fiedler haben mich damals ganz herzlich empfangen. Es war ein sehr emotionaler und eindrucksvoller Tag f\u00fcr mich. Teile meines Flugzeuges hier an diesem wunderbaren Mahnmal befestigt zu sehen, hat mich tief ergriffen. Beim Anblick des Mahnmals musste ich auch zugleich an meinen Kameraden denken. An Captain Steve \u201eSunny\u201c Sundstrom, den anderen Piloten an jenem schicksalstr\u00e4chtigen Tag vor nunmehr 25 Jahren. W\u00e4hrend meines Besuchs im Sommer habe ich Herrn Baumann daher gefragt, ob er eine M\u00f6glichkeit s\u00e4he, an diesem Mahnmal fortan auch in irgendeiner Form Captain Sundstrom zu gedenken. Ich bin der Gemeinde Maxdorf tief verbunden und dankbar, dass Sie meinem Ansinnen entsprochen haben und heute zum 25. Jahrestag des Absturzes hier mit einer Gedenktafel auch an ihn erinnern.<\/p>\n<p align=\"justify\">An jenem 18. Dezember 1989 begann der Tag f\u00fcr die Einwohner von Maxdorf, Sunny und mich wie jeder andere. Wir konnten nicht ahnen, dass schon bald dieses tragische Ungl\u00fcck Vieles ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Wir standen 1989 vor einem Epochenwechsel: Der Kalte Krieg war so gut wie vor\u00fcber, die Deutsche Einheit stand kurz bevor. Und dennoch waren die Streitkr\u00e4fte der Bundesrepublik und der Vereinigten Staaten bis zu jenem Zeitpunkt immer noch damit besch\u00e4ftigt, Szenarien zu \u00fcben, um Europa vor einer m\u00f6glichen Bedrohung durch die Sowjetunion zu sch\u00fctzen. Im Luftraum hoch \u00fcber Maxdorf simulierten an jenem kalten, tr\u00fcben Nachmittag zwei F-16 aus Hahn und eine F-15 aus Bitburg ein Abfang- und Luftkampfman\u00f6ver. W\u00e4hrend dieser \u00dcbung verlor mein Fl\u00fcgelmann meine F-16-Maschine nur f\u00fcr wenige Sekunden aus den Augen, was leider in einem Zusammensto\u00df unserer beiden Maschinen resultierte. Beide Jets wurden durch die Wucht des Aufpralls vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt. Im Bruchteil einer Sekunde wurde damals das Leben vieler Menschen nachhaltig ver\u00e4ndert. Nachdem ich mich mit dem Schleudersitz aus meiner F-16 katapultiert hatte, blickte ich mich direkt nach dem Fallschirm meines Fl\u00fcgelmanns, nach Sunny Sundstrom um. Doch ich konnte ihn nicht sehen. Dann sah ich zu Boden und sah brennende Wrackteile meines Flugzeugs in ein Geb\u00e4ude st\u00fcrzen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich werde niemals in der Lage sein Ihnen zu erl\u00e4utern, wie schrecklich ich mich gef\u00fchlt habe, als all dies geschah. Ich war sicher: Dort unten musste jemand zu Schaden oder gar ums Leben gekommen sein. Die Tatsache, dass dem nicht so war, kann daher richtigerweise nur als das \u201eWunder von Maxdorf\u201c bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Heute m\u00f6chte ich insbesondere jenem Menschen Tribut zollen, der an diesem Tag nicht so viel Gl\u00fcck hatte und diesen Einsatz leider mit seinem Leben bezahlt hat: n\u00e4mlich Captain Sunny Sundstrom. Sunny war ein talentierter, guter Pilot der US-Luftwaffe und ein guter Freund von mir. Er hatte eine wundervolle Familie und ein aussichtsreiches Leben vor sich. Er wusste um die Risiken seines Jobs, dem Fliegen von Kampfflugzeugen. Allerdings wusste er ebenso um die Bedeutung seines Berufs f\u00fcr die Verteidigung seines Landes und das unserer Alliierten und Freunde.<\/p>\n<p align=\"justify\">Meine Damen und Herren, in den Vereinigten Staaten gibt es eine Redewendung, die besagt: \u201eFreiheit ist nicht umsonst.\u201c Ich glaube fest an die Richtigkeit dieser Redewendung und ich bin dankbar, dass wir heute meinem Freund Sunny Sundstrom gedenken. Denn er hat sein Leben verloren, als er mit seinem pers\u00f6nlichen Einsatz einen Beitrag f\u00fcr unsere Freiheit und Souver\u00e4nit\u00e4t leisten wollte. Sunnys Tod hat mich etwas Wichtiges gelehrt \u2013 n\u00e4mlich, dass sich unser Leben im Bruchteil einer Sekunde dramatisch ver\u00e4ndern kann. Meine Familie hat mich in dieser schweren Zeit unterst\u00fctzt und mir Kraft gegeben. Sunnys Familie hingegen hat damals alles verloren, was ihnen lieb und wichtig war. An diesem Tag habe ich erfahren d\u00fcrfen, dass Familie und Freunde das Einzige sind, was in unserem Leben wirklich z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Vor 25 Jahren erlebte die Gemeinde Maxdorf ein Wunder. Ich ebenso.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Untersuchungskommission der US-Luftwaffe, die damals das Flugzeugungl\u00fcck untersuchte, befand: Es grenze an ein Wunder, dass ich \u00fcberhaupt \u00fcberlebt habe und mich mit dem Schleudersitz retten konnte. Es schmerzt mich bis heute unsagbar, dass dieses Wunder nicht auch Captain Sundstrom zuteilwurde. Ich kannte ihn gut und bin daher \u00fcberzeugt, w\u00e4re Sunny heute bei uns, w\u00fcrde er uns zurufen: Genie\u00dft euer Leben in vollen Z\u00fcgen und seid immer dankbar f\u00fcr eure Familien und f\u00fcr eure Gesundheit!<\/p>\n<p align=\"justify\">Sehr geehrter Herr Baumann, liebe B\u00fcrger von Maxdorf, ich spreche Ihnen meine tief empfundene Hochachtung aus, dass Sie den Weg hierher gefunden haben, um heute ebenso wie ich auch an Captain Sundstrom zu erinnern. Er hat am 18. Dezember 1989 sein Leben in Maxdorf gelassen und es ist gut zu wissen, dass er in Gedanken immer bei uns ist. Nochmals ganz herzlichen Dank f\u00fcr Ihre Einladung zu dieser Gedenkfeier. Es war mir eine Ehre, bei Ihnen sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. Dezember 2014 j\u00e4hrte sich zum 25. Mal der Zusammensto\u00df zweier US-Kampfflugzeuge vom Typ F-16 \u00fcber der Pfalz. 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