{"id":2089,"date":"2026-10-04T11:58:15","date_gmt":"2026-10-04T09:58:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=2089"},"modified":"2026-10-04T11:58:16","modified_gmt":"2026-10-04T09:58:16","slug":"menschen-und-ihre-arbeit-in-maxdorf-um-1900","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=2089","title":{"rendered":"Menschen und ihre Arbeit in Maxdorf um 1900"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Wende des 19. \/20. Jahrhunderts kam es in Maxdorf zu einem allgemeinen Aufschwung von Handel und Gewerbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch im Jahr 1880 hatte Maxdorf nur 780 Einwohner. Handel und Gewerbe waren kaum vorhanden. Alle notwendigen Dinge des t\u00e4glichen Lebens waren in Lambsheim, Frankenthal bzw. Ludwigshafen zu besorgen. \u00dcber die Grenzen des Ortes hinaus war lediglich die <strong>Kohlenhandlung<\/strong> von Johann Leonhard und die Ziegelei von Johannes Gr\u00fcbel, der auch als \u201eWaldsamenh\u00e4ndler\u201c war, bekannt.<br>(Meyer &amp; Bilik, Weltadressenbuch, Bd. VII, Wien 1880)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 1909 gab es bereits 1368 Einwohner, sechs Gastst\u00e4tten, f\u00fcnf B\u00e4cker und das Gem\u00fcse- und Obstversandgesch\u00e4ft Albert Drumm. Richard Kopp verkauft das typische Landesprodukt: die Kartoffel. Die Zahl der \u201eSpezerei- und Gemischtwarenhandlungen\u201c betrug sieben. F\u00fcr die nahe Umgebung war die Ziegelei- und Kalkbrennerei von Georg Gr\u00fcbel und Johannes Gr\u00fcbel von Bedeutung. Dieser Aufschwung wurde begleitet durch die \u201eSpar- und Darlehenskasse\u201c und den \u201eLandwirtschaftlichen Konsumverein eGmbH\u201c (Die historische Spar- und Darlehenskasse Maxdorf eGmuH wurde 1899 gegr\u00fcndet und ist heute Teil der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz eG.<br>(vgl. Schlagwort: \u201eGenossenschaften\u201c vom 25. Mai 2021)<br>(Adressbuch aller L\u00e4nder, der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibende, Gutsbesitzer etc. etc., Band 1: K\u00f6nigreich Bayern, II. Teil 16. A. N\u00fcrnberg 1909).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum Jahr 1929 wuchs die Einwohnerzahl Maxdorfs stetig auf 1840 Einwohner. Entsprechend stieg auch die Zahl der Gastst\u00e4tten! Die Gasth\u00f6fe und <strong>Gastst\u00e4tten<\/strong> waren auch schon im 19. Jahrhundert zentrale Orte des sozialen und wirtschaftlichen Lebens. In Maxdorf waren keine stattlichen Gasth\u00f6fe mit angeschlossener Viehzucht und Metzgerei vorhanden, vielmehr waren es kleinere Wirtsstuben, wie die Gastst\u00e4tte \u201eZum Bahnhof\u201c(Hermann Sattel), \u201eZum Hirsch\u201c (Richard Ellspermann), \u201eZum L\u00f6wen\u201c, \u201eZur Luitpoldslinde\u201c (Philipp Zercher) \u201eZum Pflug\u201c (Peter Streibert), \u201eZum Schwanen\u201c (Fam. Leonhard), \u201eZum gr\u00fcnen Wald\u201c (Heinrich St\u00e4hler).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zahl war auch der Transitstrecke Oggersheim \u2013 D\u00fcrkheim geschuldet, die f\u00fcr den Warentransport in der Vorderpfalz von besonderer Bedeutung war. Dort waren zahllose Fuhrleute, Handwerksgesellen und sonstige Durchreisende unterwegs. Die Schankstuben in Maxdorf waren daneben auch f\u00fcr die \u00f6rtliche Bev\u00f6lkerung zum Austausch u. a. von Nachrichten und f\u00fcr das Vereinsleben unentbehrlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u201eKaufm\u00e4nnische Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reiches\u201c verzeichnet 1929 \u00fcberraschenderweise in Maxdorf auch eine <strong>Weinstube<\/strong>. Diese d\u00fcrfte nicht zur Alltagskultur geh\u00f6rt haben, da eher der Konsum von Bier verbreitet war. Joh. Gr\u00fcbel war der Inhaber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Handwerk des <strong>B\u00e4ckers<\/strong> wurde von Ludwig Heinz, C. Reinhardt, Heinrich Sch\u00e4fer und Karl Sch\u00e4fer ausge\u00fcbt. Es war fast ausschlie\u00dflich schwere Handarbeit. Erst 1850 hatte ein Pariser B\u00e4cker die Teigknetmaschine erfunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das typische Brotsortiment der Pfalz war gepr\u00e4gt von Roggenbrot Es war das Grundnahrungsmittel der breiten Bev\u00f6lkerung. Wei\u00dfbrot galt lange als Luxus. Regionale Spezialit\u00e4ten hatten sich in Maxdorf nicht herausgebildet. Die ans\u00e4ssigen B\u00e4cker stellten wohl auch einfache Kuchen her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine <strong>Baumschule<\/strong> f\u00fchrte Kullmann J.P. S\u00f6hne. Es war der Obstbau des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der wohl das Interesse an der Gr\u00fcndung einer Baumschule weckte. Immerhin waren in der n\u00e4heren Umgebung beachtliche Obstbaumplantagen. In Maxdorf war der Obstbau kaum von Bedeutung, abgesehen von einzelnen Streuobstwiesen. Jean Kullmann f\u00fchrt wohl um diese Zeit auch eine Landschafts- und Friedhofg\u00e4rtnerei in Ludwigshafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Maxdorf sogar zwei <strong>Fahrradhandlungen<\/strong> (Inh.: Valentin Gress und Leonhard Strobel). Das Fahrrad wurde damals durch die industrielle Serienfertigung zum allgemeinen Verkehrsmittel. Bis dato gab es kaum spezialisierte \u201eFahrradhandlungen\u201c. Wer ein Fahrrad kaufen oder reparieren lassen wollte, wandte sich an Mechaniker oder Schlosser. Der \u201eFachhandel\u201c vor Ort besorgte wohl auch das notwendige Zubeh\u00f6r wie Karbidlampen, Glocken und Werkzeugtasche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wachsende Mobilit\u00e4t und das Interesse der Bev\u00f6lkerung verhalfen hier den bedeutenden Fahrradmarkenherstellern, wie Diamant, Adler und Opel, auch auf der Hauptstra\u00dfe in Maxdorf zur Geltung. Das Fahrrad erm\u00f6glichte den Land- und Industriearbeitern zu ihren Arbeitspl\u00e4tzen in der n\u00e4heren und weiteren Umgebung zu gelangen. Das Fahrrad war auch in Maxdorf Symbol des Fortschritts und der gesellschaftlichen Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Maxdorfer <strong>Friseure<\/strong> August Adam, Johannes Adam und Heinrich Magin machten wohl auch Hausbesuche, denn erst Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Friseurberuf vom mobilen Barbier zum station\u00e4ren Saloninhaber. \u00dcblich war die Bartrasur der Herren. Die Haare wurden eher geb\u00fcrstet, \u00d6le und Fette sorgten f\u00fcr den Glanz. F\u00fcr die Damen kamen Ende des Jahrhunderts erste Haartrockner, zun\u00e4chst mit Spiritus betrieben hinzu. Ob diese bereits in Maxdorf zum Einsatz kamen, ist fraglich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Maxdorfer <strong>G\u00e4nsem\u00e4stereien<\/strong> waren in Baden und der Pfalz bekannt. Es waren H. Hofmann, Wilhelm Leva, Karl Nester und Jakob Scherdel, die diesen Wirtschaftszweig auch in Maxdorf ansiedelten. Mit dem \u201eStopfen\u201c sollte eine schnelle, Gewichtszunahme und eine Fettleber der G\u00e4nse erreicht werden. Die Hauptsaison begann traditionell am 11. November (Martinstag) und endete zu Weihnachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die G\u00e4nsemast in dieser Form endete auch in Maxdorf im Jahr 1936, als die Reichsregierung die Zwangsmast aufgrund von Tierschutzbestimmungen verbot (Dritte Verordnung zur Ausf\u00fchrung des Tierschutzgesetzes. Vom 11. September 1936).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Grund des \u00a715 des Tierschutzgesetzes vom 24. November 1933 (Reichsgesetzblatt I. S. 987) wird hiermit verordnet:<br>Einziger Paragraph. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens des \u00a7 2 Nr. 11 des Tierschutzgesetzes \u2013 Verbot des Stopfens (Nudelns) des Gefl\u00fcgels \u2013 wird auf den 1. November 1936 festgesetzt.<br>Berlin, der 11. September 1936 (Reichsgesetzblatt 1936, Nr. 84 vom 22. September 1936, S. 735)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem vorderpf\u00e4lzischen Klima entsprechend gab es in Maxdorf \u00fcberproportional viele <strong>G\u00e4rtnereien<\/strong> (Julius Hahn, Johann Leva II, Julius Leva, Georg Mackle, Johannes Mackle, Georg Pfarr, Adam Scherdel, Friedrich St\u00e4hler)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung zu gewerblichen Handelsg\u00e4rtnereien, auch die technischen Innovationen (Gew\u00e4chsh\u00e4user) war besonders in Maxdorf sichtbar. So begannen im 19. Jahrhundert die Maxdorfer zunehmend f\u00fcr den breiteren Markt Gem\u00fcse zu produzieren und bedienten sich der M\u00e4rkte in der Umgebung (Mannheim und Kaiserslautern). Die Verbreitung von Glas-konstruktionen erm\u00f6glichte dabei einen fr\u00fchen Anbau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die produzierten Waren und landwirtschaftlichen Erzeugnisse konnten effizient durch <strong>Handelsvertretungen<\/strong> angeboten werden. Damals gab es die Handelsvertreter Friedrich Adam und H. Fella.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weniger Bedeutung hatte der <strong>Holzhandel<\/strong> in Maxdorf, nachdem die Trift auf dem Flo\u00dfbach eingestellt war und die Vorderpfalz kein ausgewiesenes \u201eHolzland\u201c war. Dennoch blieb Holz ein bedeutender Baustoff f\u00fcr die expandierende Entwicklung von Maxdorf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kaufmann Johann Ludwig Hahn besa\u00df eine wichtige <strong>Kistenfabrik<\/strong>, gleichzeitig ein S\u00e4ge- und Hobelwerk, das die logistischen Voraussetzungen f\u00fcr den Vertrieb Maxdorfer Erzeugnisse schuf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 19. Jahrhundert etablierte sich die Kartoffel in Deutschland von einer seltenen Pflanze zu einem zentralen Grundnahrungs-mittel, was den Bedarf und die Verteilung beeinflussten. Die Vorderpfalz war bereits damals eine wichtige Erzeugerregion. Allerdings muss der Ertrag in Maxdorf&#8217;s Umgebung nicht \u00fcberw\u00e4ltigend gewesen sein: \u201eZwischen Maxdorf und Lambsheim dehnt sich eine Haide aus, welche sich nach dem Gebirge hin fortsetzt&#8230; Die Haide kostet viel Mist und bringt wenig Kartoffeln, wenig Korn; als Sand- und Kiesgrube verwerthet sie sich am besten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Bernhard Cotta, Deutschlands Boden, sein geologischer Bau und dessen Einwirkung auf das Leben des Menschen, 2. Aufl., Zweiter Theil, 1858, S. 139). Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Kartoffelanbau etabliert und so gab es auch zwei <strong>Kartoffelgro\u00dfhandlungen <\/strong>(Rudolf Kohl und Tobias Kohl).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kolonialwarenhandlungen<\/strong> pr\u00e4gten sicher den d\u00f6rflichen Alltag, auch in Maxdorf. Es waren spezialisierte Gesch\u00e4fte, die zun\u00e4chst \u00fcberseeische Nahrungs- und Genussmittel anboten. Typische Verkaufsprodukte waren Kaffee, Zucker, Kakao, Tee, Tabak, Reis und Gew\u00fcrze wie Pfeffer, Zimt und Gew\u00fcrznelken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kolonialwaren entwickelten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts von Luxusg\u00fctern zu Waren des t\u00e4glichen Bedarfs f\u00fcr breitere Bev\u00f6lkerungsschichten. Die Waren wurden oft in gewisser Menge angeliefert und im Laden abgewogen, in Papiert\u00fcten verpackt und verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Produkte von Kaffeer\u00f6stereien, Schokoladen- und Zigarrenfabriken waren nun auch in Maxdorf zu haben. Die Kolonialwarenhandlungen dokumentierten den wachsenden Wohlstand in Maxdorf. In Maxdorf waren Fritz Brucker, Peter Hahn, Eberh. M\u00fcller, M. Sattel und Louise Waldenburger (Wwe.) Besitzer von Kolonialwarenhandlungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gewerbliche T\u00e4tigkeit der <strong>Maler<\/strong> \u00fcbten in Maxdorf aus: Marnet, Schmitt, Weber. Diese Malermeister f\u00fchrten Malerarbeiten in Innenr\u00e4umen aus (Anstriche, Tapeten) und gestaltete Fassaden. Dabei wurde Maxdorf bekannt f\u00fcr seine bunten Hausanstriche: \u201eMaxdorf hat eine merkw\u00fcrdige Vorliebe f\u00fcr das Bunte. Hier strichen sie die H\u00e4user an wie die jungen M\u00fctter die Ostereier. Gr\u00fcn und violett &#8230; (Das Gro\u00dfe Pfalzbuch, 1964, S. 218).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch <strong>Maurer <\/strong>waren in Maxdorf durch den Bauboom gefragt (Simon Deifaa, F. Schimbeno III, Martin Schimbeno, Sehr).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in Maxdorf genoss der Maurerberuf traditionell hohes Ansehen, da er eng mit dem Aufbau von Infrastruktur und der Schaffung von Wohnraum verbunden war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Metzgereien <\/strong>wurden in Maxdorf betrieben von Hermann Leonhardt und Johann Messing. Sie arbeiteten f\u00fcr den \u00f6rtlichen Bedarf und mussten ihre Schlachtprodukte oft von Weitem herbeischaffen. Allerdings gab es, wie in der Pfalz \u00fcblich, auch Hausschlachtungen, wobei ein Metzger ben\u00f6tigt wurde. Diese Attraktion (\u201eDo werd die Wutz geschlachd\u201c) lie\u00dfen sich auch die Maxdorfer (meist Oktober bis M\u00e4rz) nicht nehmen, mit allen Variationen von Fleisch und Wurst, incl. die \u201eMetzelsupp\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unerkl\u00e4rlich warum Martin Burre, Metzger aus Maxdorf, auswandern wollte und deshalb verurteilt wurde:<br>\u201eBurre, Martin, geb. 15. November 1860, Metzger von Maxdorf, vom k. A.-Ger. Frankenthal (Sch\u00f6ffengericht) rechtskr\u00e4ftig am 13, Sept. 1884 wegen unerlaubter Auswanderung zu 25t\u00e4g. Haft, aus 75 M. Geldstrafe u. Strafverfolgungs-Kosten\u201c<br>(\u201eBeilage zum bayerischen-Central-Blatte\u201c, Nr. 28 vom 19. Dezember 1884, S.65)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 19. Jahrhundert war Maxdorf noch eine junge Siedlung (offizielle Namensgebung 1819), deren Landwirtschaft sich erst entwickeln musste. Der gezielte Anbau von Obst und Gem\u00fcse f\u00fcr den Gro\u00dfhandel entwickelte sich jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dabei hatte Maxdorf gro\u00dfe Erfolge mit dem Anbau von fr\u00fchem Gem\u00fcse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der zunehmenden Industrialisierung im nahen Ludwigshafen und Mannheim wuchs auch dort der Bedarf an frischem Obst und Gem\u00fcse. Dieses wurden von dem <strong>Obst- und Gem\u00fcsegro\u00dfh\u00e4ndler<\/strong> Paul L\u00f6cher z. B. auch auf den Gro\u00dfmarkt nach Mannheim geliefert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sandigen B\u00f6den erwiesen sich dabei trotz allen Unkenrufen als ideal f\u00fcr Kulturen wie Spargeln und Kartoffeln und sp\u00e4ter auch verschiedene Gem\u00fcsesorten. Neben dem klassischen Feldgem\u00fcse gewann der Obstbau an Bedeutung. \u00c4pfel, Birnen und Mirabellen in Streuobstwiesen pr\u00e4gten das Landschaftsbild um Maxdorf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anbindung an die Rhein-Haardt-Bahn erm\u00f6glichte es den Maxdorfer Bauern, ihre leicht verderblichen Waren schneller auf die M\u00e4rkte der St\u00e4dte Ludwigshafen und Mannheim zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Bauern, sich zu organisieren, um bessere Preise zu erzielen, was schlie\u00dflich zu einem <strong>Gro\u00dfmarkt Maxdorf <\/strong>f\u00fchrte (vgl. Schlagwort: Gro\u00dfmarkt vom, 13. M\u00e4rz 2022). Schlie\u00dflich war auch der Direktverkauf in den Obst- und Gem\u00fcsehandlungen durch die zahlreichen Kleinerzeuger von Bedeutung (Obst- und Gem\u00fcsehandlungen: Lambert Fink, Eva Karg (Wwe.), Jakob Kreutz IV, Hermann Leonhardt, Julius Leva, Heinrich Magin, Johannes Magin, Martin Reis).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obgleich Pferde, Ochsen und anderen Zugtieren das Ortsbild nicht typsicherweise pr\u00e4gten, waren es zwei Sattler (Max Elsel und Adam Mackle), die in Maxdorf Leder verarbeiteten. M\u00f6glicherweise war dennoch der Bedarf an S\u00e4ttel, Zaumzeug, Kummet und an Schultornistern, Brieftaschen etc. vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An einer Transitstra\u00dfe gelegen war Maxdorf der ideale Standort f\u00fcr eine <strong>Schmiede<\/strong>, auch wenn handwerkliche Schmieden fast in jedem Ort anzutreffen waren. Mit zunehmender Motorisierung auf den Landstra\u00dfen, war die Produktion von Hufeisen, Pflugschar, Radreifen und N\u00e4gel allerdings auch in Maxdorf nicht mehr gefragt. Hufschmiede waren um 1900 Philipp Hahn II und Philipp Kitzel. Ludwig Hahn II war bereits 1892 als Hufschmied t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch den Einsatz von Maschinen wandelte sich das Handwerk des <strong>Schreiners<\/strong> im 19. Jahrhundert. In Maxdorf \u00fcbten mehrere Schreiner diesen Beruf aus (Georg Dick, Josef Horacker, Georg Leonhardt II, Rink II). Fenster, T\u00fcren, Treppen und individuelle M\u00f6bel war herzustellen. Der Schreinermeister Leonhardt war dar\u00fcber hinaus in der Bienenzucht engagiert: \u201eSchw\u00e4rme, die zu erwartende, werden abgegeben bei Georg Leonhardt. Schreiner u. Imkerei, Maxdorf\u201c lie\u00df er in der Frankenthaler Tageszeitung inserieren. Auf der Liste eines Wahlvorschlages f\u00fcr den Gemeinderat Lambsheim-Maxdorf war er aufgestellt. 1896 wurde ihm der Postexpeditions- und Telegraphendienst in Maxdorf verliehen (Frankenthaler Tageblatt vom 25. Mai 1896).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Inhaber von <strong>Schuhwarenhandlungen<\/strong> werden in Maxdorf aufgef\u00fchrt: M. Bengel, L. Guhmann und Philipp Zimmermann. Sicher waren diese Schuhwarenhandlungen mit einer Schuhmacherei verbunden, da Schuhe in Handarbeit herzustellen waren. Die industrielle Fertigung setzte erst nach Beginn des 20. Jahrhunderts ein, so dass dann auch in Maxdorf konfektionierte Schuhe angeboten wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie in fast allen Orten der Pfalz gab es in Maxdorf auch <strong>Stellmachereien<\/strong> (Philipp Maus und Peter Reis). Sie fertigten vor allem die h\u00f6lzernen Bestandteile von Wagen f\u00fcr den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse, insbesondere den Bau von Fahrgestellen und Aufbauten, Herstellung von Speichenr\u00e4dern (oft in Zusammenarbeit mit dem Schmied, der den Eisenreifen aufzog), Karren, Leiterwagen, Pfl\u00fcge und Griffe f\u00fcr \u00c4xte, Sensen oder H\u00e4mmer. Der Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse ben\u00f6tigte robuste Holzwagen, die sp\u00e4ter auch mit Gummibereifung hergestellt wurden. Mit dem Einsetzen der Motorisierung ging die Arbeit der Stellmacher zu Ende. Immerhin gab es im Bezirksamt Frankenthal 1898 noch 54 Stellmachereien mit 81 Besch\u00e4ftigten (Statistik des Deutschen Reiches, Band 118, 1898, S. 41).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ziegeleien<\/strong>: Gr\u00fcbel Heinrich<br>Gr\u00fcbel Georg 1899 hatte eine <strong>Ziegelei und Kalkbrennerei<\/strong>. Die Kalkbrennerei diente der Erzeugung von Brandkalk f\u00fcr den Gebrauch als M\u00f6rtel den Verputzmittel beim Hausbau. Dabei wurden Kalksteine, w\u00e4hrend mehrerer Tage in einem Kalkofen gegl\u00fcht, bis die Steine zerbr\u00f6ckelten und der Kalk abfiel. Neben der gewerbsm\u00e4\u00dfigen Kalkbrennerei gab es aber auch eine solche f\u00fcr die Deckung des Eigenbedarfs. Die Ziegelei von Gr\u00fcbel war \u00fcberregional bekannt. Das Aufkommen des industriell hergestellten Zements brachte die Kalkbrennerei im Lauf des 20. Jahrhunderts zum Verschwinden.<br>(Klockhaus. Kaufm\u00e4nnische Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reiches, Berlin 1929)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bericht: Wolfgang Kunz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Wende des 19. \/20. Jahrhunderts kam es in Maxdorf zu einem allgemeinen Aufschwung von Handel und Gewerbe. Noch im Jahr 1880 hatte Maxdorf nur 780 Einwohner. Handel und Gewerbe waren kaum vorhanden. 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