{"id":1,"date":"2012-12-14T20:00:10","date_gmt":"2012-12-14T18:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=1"},"modified":"2019-12-22T16:28:50","modified_gmt":"2019-12-22T14:28:50","slug":"hallo-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/?p=1","title":{"rendered":"US-Kampfflugzeuge st\u00fcrzen auf Maxdorf"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-165\" src=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/01-300x289.jpg\" alt=\"01\" width=\"180\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/01-300x289.jpg 300w, https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/01.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am 18. Dezember 1989 steigen vom US Air Field Hahn im Hunsr\u00fcck zwei US-Kampfjets vom Typ F-16 zu Tiefflug\u00fcbungen \u00fcber der Vorderpfalz auf. Zusammen mit einer F-15 aus Bitburg simulieren sie eine Verfolgungsjagd. Nahe Frankenthal sto\u00dfen die beiden F-16 kurz nach 16 Uhr in der Luft zusammen und werden beide so schwer besch\u00e4digt, dass sie noch in der Luft auseinander brechen und die Tr\u00fcmmer im gro\u00dfen Umkreis auf die Erde st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Der 29-j\u00e4hrige Oberleutnant Steve Sundstrom, dessen Fallschirm sich nach dem Notausstieg aus seiner Maschine laut Augenzeugen nicht \u00f6ffnet, stirbt im Acker neben dem Pflanzgarten der Firma B\u00f6hler und Sch\u00f6ner an der Stra\u00dfe nach Oggersheim. Der zweite Pilot landet leicht verletzt mit seinem Fallschirm in der N\u00e4he des Silbersees, von wo er mit einem Hubschrauber in eine Heidelberger Klinik gebracht wird.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es gibt zum Gl\u00fcck keine Verletzten unter den Bewohnern der Orte in der Ungl\u00fcckszone.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil der Tr\u00fcmmer geht \u00fcber dem nord\u00f6stlichen Maxdorf nieder. Eine abgerissene Tragfl\u00e4che st\u00fcrzt in den Maxdorfer Gro\u00dfmarkt, wo zu dieser Zeit noch rund 10 Personen arbeiten, und setzt dort die K\u00fchlanlage in Brand. Danach explodiert auf dem Marktgel\u00e4nde die mitgef\u00fchrte \u00dcbungsmunition des einen Flugzeugs.<\/p>\n<p>Ein Triebwerk gr\u00e4bt sich in das Treibhaus von Max Sattel in der Haardtstra\u00dfe. Ein leerer Schleudersitz geht im Gewerbegebiet auf dem Gel\u00e4nder der Firma Thieme nieder. Ein dreieinhalb Kilo schweres Wrackteil von einem Fahrwerk schl\u00e4gt auf dem Maxdorfer Friedhof auf. Ein Triebwerkteil schie\u00dft in ein unbebautes Grundst\u00fcck an der Ecke Kurpfalzstra\u00dfe\/Speyerer Stra\u00dfe und rei\u00dft dabei die Stra\u00dfenlaterne um. Weitere Wrackteile kommen \u00f6stlich von Fu\u00dfg\u00f6nheim nahe der A 61 herab; die Landstra\u00dfe nach Ruchheim wird sp\u00e4ter deswegen vollst\u00e4ndig gesperrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/images\/absturz\/01.jpg\" alt=\"\" vspace=\"15\" hspace=\"20\" height=\"400\" border=\"1\" align=\"left\"><\/p>\n<p>Die Abbildung zeigt die Stellen im Ortsgebiet der Verbandsgemeinde mit schwerwiegenden Tr\u00fcmmereinschl\u00e4gen. Roter Punkt: Der besonders stark betroffene Maxdorfer Gem\u00fcsegro\u00dfmarkt. <span style=\"color: black; font-family: calibri; font-size: small;\">(Karte erstellt auf der Grundlage von <a href=\"https:\/\/www.openstreetmap.org\/\">OpenStreetMap<\/a> unter der Lizenz <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\/\">CC BY-SA<\/a>)<\/span><\/p>\n<p>Ein gesundheitliches Risiko geht f\u00fcr die Anwohner von dem austretenden Treibstoff Hydrazin aus. Au\u00dferdem sickert Kerosin in den Boden. Aus Schifferstadt wird der Sondergefahrenzug des Landkreises angefordert. Wo Hydrazin und Kerosin ausgetreten sind, wird das Erdreich ausgehoben.<\/p>\n<p>Amerikanische Milit\u00e4rpolizei sperrt das Absturzgebiet mit Nachdruck ab. Die Feuerwehren aus Maxdorf und Umgebung sind im Einsatz. Au\u00dferdem Rotes Kreuz und Bundeswehr. Ein Gro\u00dfteil der Marktfl\u00e4che wird vor\u00fcbergehend zum milit\u00e4rischen Sperrgebiet erkl\u00e4rt. Die milit\u00e4rische Sperrzone am Gro\u00dfmarkt wird erst vier Tage sp\u00e4ter wieder aufgehoben.<\/p>\n<p>Auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten der Gr\u00fcnen, Prof. Dr. Rotter, erkl\u00e4rt Innenminister Rudi Gail, dass sich die Ungl\u00fccksmaschinen bei der Kollision in 4500 Metern H\u00f6he befunden hatten. Au\u00dferdem teilt der Minister mit, dass jede Maschinen mit 510 Schu\u00df \u00dcbungsmunition und einer \u00dcbungsrakete ausgestattet war.<\/p>\n<p>\u00dcber die Unfallursache gehen die Meinungen auseinander. Ein Zeuge will vom \u00fcberlebenden Piloten erfahren haben, dass seine Maschine vom zweiten Flieger gestreift wurde, worauf beide abst\u00fcrzten. Der Spiegel spricht in seiner Ausgabe vom 25. Dezember 1989 von einem Pilotenfehler als Ursache des Ungl\u00fccks. Beide Berichte werden von den zust\u00e4ndigen Stellen dementiert.<\/p>\n<p>An den Tagen nach dem Ungl\u00fcck ist die Stimmung in der Bev\u00f6lkerung der Region aufgeheizt. Als wenige Tage nach dem Absturz bei Maxdorf ein US-Milit\u00e4rhubschrauber bei Gro\u00dfniedesheim notlanden musste, sind Maxdorfer Polizeibeamte erforderlich, um die Besatzung vor den aufgebrachten B\u00fcrgern zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Am 22. Dezember wendet sich das BASF-Vorstandmitglied Dr. Dibbern in einem Brief an Verteidigungsminister Stoltenberg und kritisierte darin unter Anderem einen aktuellen Vorschlag des Staatssekret\u00e4rs Wimmer, die BASF k\u00f6nne sich durch H\u00e4rtung von Anlagen gegen die Folgen solcher Flugzeug-Abst\u00fcrze sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung Maxdorfs und der Umgebung trifft sich in den folgenden Tagen zu Schweigem\u00e4rschen und Mahnwachen am Gro\u00dfmarkt im Heideweg. Monatlich sollen diese Treffen stattfinden bis zur Bundestagswahl im Dezember 1990, als Appell an die Politiker. An der Mauer des Gro\u00dfmarktes kleben Protestplakate gegen Tieffl\u00fcge. Der Speyerer Bischof Schlembach verfasst einen offenen Brief an die B\u00fcrger Maxdorfs und \u00e4u\u00dfert darin Zweifel an der Notwendigkeit riskanter \u00dcbungsfl\u00fcge. Verbandsb\u00fcrgermeister Leyser schreibt an Bundeskanzler Helmut Kohl, \u00dcbungsfl\u00fcge der Bundeswehr \u00fcber Wohngebieten umgehend zu stoppen und entsprechend auf die Allierten einzuwirken. Alle politischen und konfessionellen Gruppen beteiligen sich am Protest.<\/p>\n<p>Am 31. Dezember 1989 findet in der katholischen Pfarrkirche St. Maximilian der Jahresschlussgottesdienst als ein Dank- und Gedenkgottesdienst f\u00fcr den glimpflichen Ausgang des Flugunfalls statt.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf das Ungl\u00fcck in Maxdorf verzichtet die 17. US-Luftflotte in Sembach auf Dauer auf einem \u00fcber 1500 Quadratkilometer gro\u00dfen Gebiet der Kurpfalz auf taktische Tiefflug\u00fcbungen unter 450 Metern Flugh\u00f6he. In diesem Gebiet liegt das Ballungszentrum Mannheim\/Ludwigshafen und die Verbandsgemeinde Maxdorf. <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.maxdorfer-geschichte.de\/images\/absturz\/02.jpg\" alt=\"\" vspace=\"15\" hspace=\"20\" height=\"600\" border=\"1\" align=\"right\"><\/p>\n<p>Am 18. Januar 1990 kritisiert Prof. Dr. Rotter in der aktuellen Stunde des Landtages heftig die z\u00f6gerliche Umsetzung einer bereits im Juli 1988 getroffenen Resolution gegen Tieffl\u00fcge. Er fordert die generelle Einstellung milit\u00e4rischer \u00dcbungsfl\u00fcge. Es kommt zu einer kontroversen Debatte zwischen Vertretern der im Landtag vertretenen Parteien. Im Grunde besteht jedoch Einigkeit dar\u00fcber, dass die gewandelten politischen Verh\u00e4ltnisse in Europa Raum lassen f\u00fcr eine Verringerung milit\u00e4rischer \u00dcbungen.<\/p>\n<p>Anfang Mai fragt der FDP-Abgeordnete Eymael Staatsminister Gail nach dem Stand der Entsch\u00e4digungszahlungen durch das Bundesamt f\u00fcr Verteidigungslasten in Koblenz. 40 der 85 Antr\u00e4ge auf Entsch\u00e4digung sind laut Gail bis dato bereits bearbeitet. Bei den meisten offenen F\u00e4llen fehlten jedoch noch Belege der Antragsteller oder die erforderlichen Sachverst\u00e4ndigen-Gutachten.<\/p>\n<p>Die Proteste der Bev\u00f6lkerung der gesamten Region gegen Tieffl\u00fcge und Flugl\u00e4rm treten jetzt in eine neue Phase. Die Verbandsgemeinde Maxdorf klagt vor dem Verwaltungsgericht Neustadt gegen Tieffl\u00fcge und Luftkampf\u00fcbungen \u00fcber Wohngebieten. Und die folgenden Jahre sind gepr\u00e4gt von dauerhaftem Widerstand gegen milit\u00e4rische Flugman\u00f6ver \u00fcber der Region.<\/p>\n<p>Am 18. Dezember 1992, also auf den Tag genau drei Jahre nach dem schweren Ungl\u00fcck, wird an der Ecke Heideweg\/Kurpfalzstra\u00dfe gegen\u00fcber dem Maxdorfer Gro\u00dfmarkt ein Mahnmal eingeweiht. Es stammt von dem K\u00fcnstler Burkhard Hauck und symbolisiert, wie Flugzeug-Tr\u00fcmmer auf die Maxdorfer H\u00e4user herabst\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Der Mundartdichter Albert H. Keil kommt angesichts des Gl\u00fcckes, dass die Bewohner der Vorderpfalz inmitten dieses Ungl\u00fccks hatten, zu dem Schluss:<\/p>\n<p>\u201eM\u00e4rr &#8230; glaabt, de Herrgott deet halt als<br \/>\nBesunnerscht achde off soi Palz\u201c<\/p>\n<p>(Aus dem Gedicht \u201eFluuchiewung\u201c von Albert H. Keil. Ver\u00f6ffentlicht in \u201eHunde vor de Herze\u201c, Verlag PfalzMundArt, Dirmstein, 1997.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. 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